Zum Inhalt springen
Beauty

Kollagen-Wirkung: Was Pulver und Kapseln für die Haut wirklich bringen

Kollagenpulver soll die Haut straffen. Was Studien zur Kollagen-Wirkung zeigen, warum die Finanzierung zählt und was die Haut für eigenes Kollagen braucht.

Frau Mitte fünfzig hält am Küchentisch einen Löffel weißes Pulver über ihre Kaffeetasse und zögert

Kapseln zum Frühstück, Kollagenpulver im Kaffee, Trinkampullen vor dem Schlafengehen: Zu den meistgekauften Beauty-Ergänzungen zählt Kollagen. Straffere Haut und weniger Falten, so das Versprechen.

Die Wirkung von Kollagen auf die Haut wurde in vielen Studien untersucht. Die Ergebnisse sind jedoch deutlich nüchterner als das, was die Werbung verspricht.

Was ist Kollagen, und welche Wirkung soll es haben?

Kollagen, ein Strukturprotein, verleiht der Haut Festigkeit und Spannkraft. Im Körper ist es das häufigste Eiweiß, und es kommt auch in Knochen, Sehnen und Knorpel vor.

Kollagen stellt der Körper eigenständig her. Im Lauf der Jahre nimmt die Neubildung ab, während Sonnenlicht den Abbau beschleunigt.

Kollagen-Präparate sollen den Verlust ausgleichen. Dahinter steht die Idee, dass zugeführtes Kollagen die Haut von innen stärkt.

Was passiert mit Kollagen im Magen?

Kollagen wird wie jedes andere Eiweiß aus der Nahrung verdaut. Im Magen und Darm entstehen daraus Aminosäuren und kleine Bruchstücke, die man Peptide nennt.

Deshalb kommen intakte Kollagenfasern nicht in die Haut. Manche Peptide wirken im Blut als Signal, darauf setzen die Hersteller, und die Hautzellen werden zur Neubildung angeregt.

Die Annahme ist plausibel, sicher belegt ist sie aber nicht. Nur an den Ergebnissen der Studien lässt sich prüfen, ob die Signal-Wirkung im Alltag eine Rolle spielt.

Was zeigen die Studien zur Haut?

Auf den ersten Blick zeichnen die Studien ein positives Bild. 26 kontrollierte Studien mit 1.721 Teilnehmenden wurden in einer Meta-Analyse aus dem Jahr 2023 ausgewertet.1

Bei Hautfeuchtigkeit und Elastizität erzielte Kollagenhydrolysat bessere Ergebnisse als ein Placebo. Die Autorinnen und Autoren machten allerdings auf mehrere Verzerrungsrisiken in den einbezogenen Studien aufmerksam.

Deshalb sehen größere und unabhängige Studien sie als nötig an. Bei den gemessenen Unterschieden handelte es sich außerdem um Laborwerte, nicht um Veränderungen, die im Spiegel zu sehen wären.

Warum hängt das Ergebnis an der Finanzierung?

Fehlt die Finanzierung durch die Hersteller, ist der Effekt in den Studien größtenteils nicht mehr zu sehen. Darauf weist eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 hin, die 23 kontrollierte Studien mit 1.474 Teilnehmenden umfasst.2

Bei Feuchtigkeit, Elastizität und Falten ergaben sich über alle Studien hinweg zunächst Verbesserungen. Anders sah es bei den Studien aus, die keine Finanzierung durch Pharma- oder Ergänzungsmittel-Firmen hatten: Dort ließ sich kein Nutzen feststellen.

Selbst Untersuchungen mit hoher methodischer Qualität zeigten keinen signifikanten Effekt. Daraus folgerten die Autoren, dass klinische Evidenz für Kollagen gegen Hautalterung derzeit fehlt.

Die Branche sieht das anders und führt Unterschiede zwischen den einzelnen Kollagen-Arten an. Unabhängige Studien gibt es jedoch kaum, was die Bewertung erschwert.

Was braucht die Haut für eigenes Kollagen?

Für die körpereigene Kollagenproduktion sind vor allem genug Eiweiß, Vitamin C und Schutz vor UV-Licht nötig. Diese drei Faktoren sind deutlich besser belegt als jedes Pulver.

Der Artikel zum Eiweißbedarf pro Tag erklärt, wie viel Eiweiß nötig ist und warum der Bedarf im Alter steigt. Die Bausteine, aus denen der Körper Kollagen zusammensetzt, liefert Eiweiß.

Kollagen ist übrigens selbst ein unvollständiges Eiweiß: Die Aminosäure Tryptophan fehlt ihm. Als Eiweißquelle steht es deshalb hinter Fisch, Milchprodukten oder Hülsenfrüchten zurück.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat bestätigt, dass Vitamin C für die normale Bildung von Kollagen nötig ist.3 In Paprika, Brokkoli, Kohl und Zitrusfrüchten steckt viel davon.

Beim Kollagenabbau spielt UV-Licht die größte Rolle unter den äußeren Einflüssen. Vorhandenes Kollagen lässt sich daher mit täglichem Sonnenschutz besser bewahren als mit jeder Einnahme.

In der Hautpflege ist Vitamin A die am besten untersuchte Substanz, wenn es um den Aufbau von neuem Kollagen geht. Ein eigener Artikel über die Retinol-Wirkung beschreibt, was Retinol in der Haut bewirkt.

So sieht das praktisch aus

  • Eiweiß gehört in jede Mahlzeit: Quark, Ei oder Hülsenfrüchte zum Frühstück bringen mehr verwertbare Bausteine als ein Löffel Pulver.
  • Vitamin C lässt sich mit Gemüse und Obst abdecken: Meist genügen dafür eine Paprika, eine Portion Brokkoli oder eine Orange pro Tag.
  • Sonnenschutz zählt auch im Herbst: Das Kollagen im Gesicht wird das ganze Jahr über durch einen Lichtschutzfaktor geschützt.
  • Rauchen beschleunigt die Hautalterung: Hört man mit dem Rauchen auf, fällt für die Haut ein bekannter Abbaufaktor weg.
  • Ein Präparat ersetzt keine Ernährung: Wer Kollagen trotzdem testen will, sollte nicht viel erwarten und nach einigen Wochen ehrlich Bilanz ziehen.

Sonnenschutz und Eiweiß kommen vor dem Pulver

Kollagen-Präparate gelten als gut verträglich. Ob sie der Haut etwas bringen, ist allerdings nicht gesichert. Die positiven Ergebnisse stammen überwiegend aus Studien, die von Herstellern bezahlt wurden.

Verlässlicher als teure Cremes ist für die Haut ausreichend Eiweiß, Vitamin C, Sonnenschutz und der Verzicht auf Zigaretten. Treten Hautveränderungen plötzlich oder stark auf, sollte die Abklärung in einer hautärztlichen Praxis erfolgen.

Quellen

  1. Pu, S.-Y. et al., „Effects of Oral Collagen for Skin Anti-Aging: A Systematic Review and Meta-Analysis”, Nutrients, 2023, doi.org ↩

  2. Myung, S.-K., Park, Y., „Effects of Collagen Supplements on Skin Aging: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials”, American Journal of Medicine, 2025, doi.org ↩

  3. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies, „Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to vitamin C”, EFSA Journal, 2009, doi.org ↩

Hinweis: Die Inhalte auf luvivo dienen der allgemeinen Information und sorgfältig recherchierten Aufklärung. Sie ersetzen keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen wende dich bitte an qualifiziertes Fachpersonal.